3. Flatternde Nerven – Im Café mit Dir

Inhaltsverzeichnis:

1.         Ein langer Spaziergang
2.         Einen Schritt zurück
3.         Flatternde Nerven
4.         Heißer Sommertag
5.         Kirchturm
6.         Die Nacht mit Dir
7.         Bittersüße Erinnerungen
8.         Zurück im Café

3. Flatternde Nerven

Freitag kam schneller, als ich dachte. Ich hatte ein Grinsen im Gesicht, noch bevor sich meine Augen öffneten. Heute war mein Tag. Ich würde Marie wiedersehen und ihr meine beste Seite zeigen. Der schüchterne Alfred gehört der Vergangenheit an. Ich werde charmant, liebevoll und aufmerksam sein. Ich werde alles sein, was dieses schöne Wesen verdient hat.

Die letzten Tage habe ich überlegt, wie ich unser Treffen gestalten möchte. Immerhin habe ich so gut wie kein Geld. Sie ist es bestimmt gewohnt, in die teuersten Restaurants der Umgebung eingeladen und von einem Chauffeur abgeholt zu werden. Ich musste kreativ werden.

Mein Kopf raste, aber nichts schien gut genug zu sein. Wir könnten im Park spazieren gehen, doch was würden wir danach machen? Würde ihr das Spaß machen? Plötzlich hatte ich die perfekte Idee.

Ich lief zum Laden um die Ecke. Der Besitzer Pablo stand gelangweilt hinter der Theke und wartete auf einen Kunden. „Guten Tag Pablo“, sagte ich hoffnungsvoll, „darf ich dich um einen Gefallen bitten?“

Pablo verdrehte seine Augen: „Was ist es dieses Mal?“

„Naja, ich… ich bräuchte eine Flasche Wein“

„Wein ist da hinten neben dem Bier“, sagte er und zeigte in die Ecke des Geschäfts.

„Ich… Könntest Du mir die Flasche borgen? Ich schwöre, ich bezahle sie, sobald ich einen neuen Auftrag habe!“

Pablo sah mich ernst an und schüttelte langsam seinen Kopf.

„Bitte, Pablo“, bettelte ich ihn an, „ich habe eine Verabredung mit dem schönsten Mädchen der Stadt. Eine Verabredung! Kannst Du Dir das vorstellen? Ich und ein Mädchen? Sie ist umwerfend, Pablo. Ich glaube, ich bin verliebt. Aber sie kommt aus einem reichen Elternhaus und Du weißt, wie schwer das Leben gerade für mich ist…“

„Schon gut, Alfred. Bitte nimm die Flasche einfach. Ich schenke sie Dir, aber nur, weil mir die Dame leidtut.“

Ich lächelte spitzbuberisch, sprang über die Theke und küsste Pablo gegen seinen Willen auf die Stirn.

Den ganzen Nachmittag verbrachte ich damit, die nötigen Dinge zusammen zu suchen. Die Uhr zeigte 15:30 an. Verdammt! Wo war die Zeit geblieben? In Eile sprang ich unter die Dusche.

Um 15:55 erreichte ich auf meinem Fahrrad die Eingangstür des Cafés. Hinten war der vollgepackte Korb mit Sicherheitsseilen ans Fahrrad gespannt. So stand ich wartend da, frisch geduscht, gekämmt und in meinen besten Kleidern. Ich blickte durch das kleine Glas der Holztür mit dem goldenen Rahmen. Im Café war es überraschend ruhig. Ich sah hoch zum Himmel, die Wolken zogen langsam vorbei. Ich beobachtete die müden Menschen auf den Straßen, die nach einem harten Arbeitstag nach Hause kehrten. Ein kleines Kind, das mit seiner Großmutter an mir vorbeiging, winkte mir zu. Ich lächelte es an. Die Uhr am Kirchturm zeigte 16:13. Hatte ich mir die falsche Uhrzeit gemerkt? Die Angst, sie würde nicht kommen, stieg. Was, wenn sie im Dorf nach mir gefragt hat und herausfand, was für eine Niete ich bin?

Doch plötzlich verschwand jeder Zweifel. Mein Herz raste, als ich sie wenige Momente später auf mich zugehen sah.

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