Ausweg

„Es muss doch noch einen anderen Weg geben“, denke ich und starre in die Leere meines Zimmers. Es ist Mittwoch um 10:00 Uhr morgens. Eigentlich sollte ich in der Arbeit sein, doch ich sitze auf meinem Bett und versuche, das Rätsel in meinem Kopf zu lösen.

Daniel, mein Manager, sitzt bestimmt vor seinem Computer und drückt seine Idee von „Urgency“ durch sein Headset in die Ohren eines ratlosen Kandidaten. Neben ihm spricht Stanley davon, wie lange er nicht schon in der Industrie ist und dass er nach 2 Monaten schon 4 Jahre lang Erfahrung gesammelt hat. Aus der Ecke hört man Ricis falsches Lachen und Sam, wie er Rache an jemandem nimmt, der ein wenig gemein zu ihm war. Die vielen geldgierigen Gestalten, die zwischen diesen Wänden wandeln, machen mir etwas Angst. Und dennoch war ich selbst auch eine davon, für 48 Tage.

Ich möchte rennen, wie immer. Wo kommt dieser Drang her? Mittlerweile bin ich so damit vertraut, dass es mich gar nicht mehr überrascht. In meinem Bauch brennt es, zieht es. Am liebsten würde ich meine Sachen packen und lossprinten. Ohne Ziel, ohne jemals wieder zurück zu schauen. Das gute alte Ziehen. Es zieht mich weg von dem, was gerade ist. Zieht mich hin zu dem, was ich mir fürs Leben wünsche. Versuche, den Fokus auf das Positive zu lenken. Wie kann ich den jetzigen Moment genießen?

Es gibt immer einen Auslöser, eine Figur, die authentisch lebt. Die ist, wie sie ist und dadurch Gutes erlebt. Als ich in meiner Heimat in einer Bank gearbeitet habe und keinen Ausweg aus dieser kapitalistischen Hölle sah, kam mir ein Filmcharakter zur Hilfe. Nun ist es ein Freerunner in London, der die Welt als seinen Spielplatz sieht. Neidisch erinnere ich mich an alles, das dieser gleichaltrige Junge bereits erlebt hat. Er tut, was er tun will. Und ich tue, was ich tun muss. Oder glaube, tun zu müssen. Kann ich meine Ziele nicht auch anders erreichen? Gibt es denn keinen anderen Ausweg?

Ich sitze auf meinem Bett und höre, wie die Waschmaschine in der Küche ihr Programm beendet. Mechanisch, wie ein Roboter, mache ich mich auf den Weg, um zu tun, was getan werden muss.

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