Secondhand-Shopping: Stimmt es wirklich?

Schon seit mehreren Jahren kaufe ich fast ausschließlich gebrauchte Kleidung. Vielen stehen bei diesem Satz wahrscheinlich die Haare zu Berge. Sie stellen sich modrig-riechende, dunkle, kleine Geschäfte voll armer Menschen vor. Wieviel ist wirklich dran und welche Vorurteile gegenüber secondhand-Shopping trägst du mit dir herum?

Igitt – das hat ja schon wer anderes angehabt!

Dieses Argument, das so manche schon hervorgebracht haben, ist verständlich. Immerhin haben andere Menschen in dieser Kleidung gelebt, geschwitzt oder geschlafen. Meine Antwort dazu ist immer kurz und knackig: Ich nutze die Waschmaschine, um auch den kleinsten Rest der anderen Person aus der Kleidung zu bekommen.

Man sollte beim Kauf natürlich immer darauf achten, dass das Kleidungsstück keine Löcher oder lose Fäden hat. Auch wenn die Farben schon zu blass sind, lasse ich das Stück einfach liegen. In der Regel wird das Angebot aber von den Mitarbeiter genau geprüft und nicht jede Spende wird akzeptiert.

Dir ist vielleicht noch gar nicht bewusst, wie viele Vorteile das Kaufen von gebrauchter Kleidung hat. Lass mich dich erleuchten.

  1. Einzigartigkeit

In den letzten Jahren ist secondhand zu Shoppen zu einem Trend geworden, den Youtuber wie etwa Emma Chamberlain immer weiter verbreiten. Sie zeigen die vielen Vorteile der Welt der gebrauchten Konsumgüter auf. Der wohl offensichtlichste Vorteil ist, dass jedes erworbene Stück bis zu einem gewissen Grad einzigartig ist. Die meiste Kleidung, die man in Läden wie diesen kaufen kann, wird längst nicht mehr produziert.

Man sagt, dass sich Modetrends sowieso alle 20 Jahre wiederholen. Wenn du secondhand shoppst, hast du nicht nur Kleidungsstücke, die jetzt gerade aktuell sind, sondern auch welche aus den letzten Jahrzehnten. Da ist für jeden etwas dabei.

2. Eine Wohltat nach der anderen

Hinter den meisten größeren secondhand-Läden stehen bekannte Hilfsorganisationen wie etwa die Caritas oder die Volkshilfe. In Wien sind dies keine Läden mehr, sondern ganze Hallen. Hier kann man mit gutem Gewissen einkaufen, denn jeder ausgegebene Euro fließt einem guten Zweck zu.

3. Deine Geldbörse atmet auf

Gebrauchte Kleidung ist außerdem entsprechend günstig. Ich persönlich gebe pro Kleidungsstück fast nie mehr als 10€ aus. Normale T-Shirts kosten meist um die 2-5€. Für Jacken oder Hosen bin ich dann schon mal bereit, 10-20€ auszugeben. Generell gilt aber: Gebrauchte Kleidung kostet einen Bruchteil von dem, was Modehäuser für frisch produzierte Stücke verlangen.

4. Der Umwelt zuliebe (oder: gemeinsam bekämpfen wir Fast Fashion)

Wusstest du, dass Fast Fashion nicht nur Spitzenreiter in Sachen unfairer Arbeitsbedingungen ist, sondern auch zu mehr als 10% für den Klimawandel verantwortlich ist?

Jährlich verbraucht die Kleidungsindustrie mehrere Millionen Liter an frischem Wasser und spült Unmengen an Giftstoffe, die zum Beispiel zum Einfärben der Kleidungsstücke verwendet werden, in die Flüsse und das Meer der Produktionsstaaten?

Aus zweiter Hand zu kaufen ist hier natürlich kein Wundermittel. Jedes gebraucht gekaufte Stück trägt allerdings nicht zusätzlich zu dem Problem bei.

Tauschen statt Kaufen

Zuallerletzt möchte ich noch Alternativen zum Kaufen generell erwähnen. Vor ein paar Monaten bin ich nämlich auf ein wunderbares Konzept gestoßen: den Tauschhandel. Der Laden „Tauschraum“ in Wels in Oberösterreich beispielsweise ist ein Ort, an dem du deine alte, ungewollte Kleidung gegen neue Stücke tauschen kannst. Dort habe ich schon einige schöne Stücke gefunden. Mehr Infos dazu findest du hier.

Also: Stimmt es wirklich, dass secondhand einzukaufen nur für Arme ist? Ich glaube, diese Frage musst du dir selbst beantworten.

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