Wie oft ist es wirklich still?
Selbst hier, in meiner Singlewohnung, surrt der Kühlschrank, schleudert die Waschmaschine vom Nachbarn einen Stock über mir, vibriert der Rasenmäher drei Gärten nördlich. Ich höre die Vögel, ein Flugzeug, die Haustüre zufallen, die Gäste der Nachbarin im Stiegenhaus quatschen.
Irgendwann ein Moment, in dem sich nichts davon überlappt.
Wie Wellen treffen die verschiedenen Geräusche auf mein Ohr und ebben wieder ab. Der Kühlschrank muss sich nicht mehr anstrengen und ruht. Die Wiese ist manikürt und der Rasenmäher steht wieder im Schuppen. Das Flugzeug ist bereits über den Alpen, die Gäste sitzen im Restaurant in der Stadt, weit weg von meinem Ohr.
Da fällt mir das Tippen auf die Laptoptastatur auf, danach meine eigene Atmung. Doch das Lauteste von allem: die Gedanken im Kopf.
Vor der schleudernden Waschmaschine kann ich fliehen, das Reden der Menschen draußen kann ich mit Kopfhörern ausblenden. Doch die eigenen Gedanken, das allminütliche Schauspiel, das nur für mich aufgeführt wird – ich kann weder weglaufen noch es ausschalten.
Wie oft ist es dann wirklich still?
Aus dem Fenster schauend gebe ich dem Wörterzug nach und lasse ihn frei, ohne Schienen herumfahren.
Der leichte Wind lässt die Blätter des Baumes wie ein Glockenspiel tanzen, ritzt Fugen in den Fluss und trägt die Wärme der Sonnenstrahlen weg von mir. Mir fällt auf, dass jede Pflanze grün ist, aber keine das gleiche Grün hat.
Dieses Bild schwebt in meinem Kopf wie die Werbung zwischen zwei Fernsehsendungen. Es dauert nicht lang, aber es gewährt mir einen Einblick darauf, wie es ist, sie zu haben: vollkommene Stille.
Diese Stille gibt es so nur in der Natur, nur wenn man sich daran erinnert, dass zwischen dir und den Blättern, den Wellen und den Strahlen nichts ist außer Gedanken, und das auch diese für einen Moment still sein können.
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man hört es gut, wenn es stille ist. In den Bergen zum Beispiel oder in der Wüste sprach die Stille einst einst zu mir, Ich wollte nicht mehr weg von ihr.
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