Im letzten Beitrag erklärte ich diese Aussage, die ich im Gespräch mit einer Freundin tätigte.
Selbst nachdem ich einen ganzen Blogpost zu dem Thema geschrieben habe, fühlt sich irgendetwas davon falsch an. Es fühlte sich an, als wäre diese Erklärung nicht genug.
Es ist die Angst, dass meine Worte verdreht werden. Angst, dass Menschen mich dafür hassen werden und mich als schlechte Person sehen. Angst, dass mir nun niemand mehr helfen möchte. Ich fühle mich egoistisch, wenn ich mich selbst priorisiere.
Dann fiel mir auf, was fehlte:
Ein sehr wichtiger Punkt – Hilfe anbieten. Den ließ ich vollkommen aus.
Doch auch dazu gibt es eine Geschichte aus meinem persönlichen Leben.
Ich wartete in einem großen Bahnhof in London auf meinen Zug, als ich eine Frau auf einer Bank sitzen sah. Sie war allein, weinte und schluchzte. Ich sah, dass die Frau großen Schmerz verspürte und wollte helfen. Ich ging auf sie zu und bot ihr ein offenes Ohr an. Ein wenig gereizt sagte sie: „Nein!“ Das überraschte mich sehr – ich wäre in ihrer Situation dankbar für die Hilfe. Darum antwortete ich: „Sind Sie sicher? Darf ich Ihnen wenigstens ein Taschentuch anbieten?“ und die Frau meinte in leicht aggressivem Ton, ich solle sie in Ruhe lassen. Daraufhin ging ich zu meinem Bahnsteig.
Anfangs war ich irritiert. Was hatte ich falsch gemacht? Warum lehnte sie meine gut gemeinte Hilfe so vehement ab?
Doch mit der Zeit realisierte ich, dass die Frau einfach nur alleine sein wollte. Das könnte unendlich viele Gründe haben und es gibt für mich nichts zu tun, als es zu akzeptieren. Ich hatte nichts falsch gemacht. Ich sah einen Menschen, dem es offensichtlich nicht gut ging und ich bot meine Hilfe an. Ob der Mensch sie annimmt oder nicht, liegt nicht in meiner Macht.
Doch es war so wichtig, dass ich es getan hatte. Ich hatte die freien Kapazitäten, mental, emotional und zeitlich, um dieser fremden Person ein wenig Zeit und Liebe zu schenken. Ich konnte mich abends mit ruhigem Herzen schlafen legen. Ich bin nicht einfach an der leidenden Person vorbeigegangen.
Das ist das Puzzleteil, mit dem ich dieses Thema hier zur Ruhe legen kann: Biete Hilfe an, wenn sie gebraucht wird, aber respektiere dich währenddessen auch selbst.
Zielgruppe
Außerdem ist dieser Beitrag nicht an Menschen gerichtet, die sowieso schon mit einer „Das geht mich nichts an“-Einstellung durch die Welt laufen.
Ich möchte damit feinfühlige, sensible, großherzige, aufopfernde Menschen ansprechen und alle, die sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse (wie ich früher) nicht ernst genug nehmen.