In der Therapie wurde ich heute an etwas Wertvolles erinnert, das ich hier mit dir teilen möchte.
Es war so: Wir sprachen über meine Angst. Die Nervosität, die sich vor sozialen Veranstaltungen und wichtigen Treffen in meine Psyche schleicht und mir einredet, eine Absage sei so viel leichter als eine Zusage.
Ich erkannte, dass diese Angst nur ein Teil von mir ist, der sich wie das Leben selbst ständig verändert und wandelt. Ein Gefühl so isoliert zu betrachten, ist meiner Meinung nach sehr hilfreich.
Wir haben ihr einen Namen gegeben: Kobold. Ich sah ihn als hässlichen Zwerg mit spitzen Zähnen und verrückt großen Augen. Vollkommen aufgebracht hüpfte er durch die Gegend, nach Gefahr Ausschau haltend. Er hielt mich im Leben zurück und ich empfand ihn als äußerst nervend.
Wir fragten ihn, woher er denn komme und er antwortete: „Ich bin der, der dich vor anderen schützt. Als ich gesehen habe, wie du von anderen Menschen verletzt wurdest, habe ich mich aktiviert. Ich will dich beschützen und dich vor Schmerz bewahren.“
Dann sagte meine Therapeutin etwas, dass mir meine Macht über diesen Teil meines Inneren zurückgegeben hat: „Du bist die Chefin dieses Kobolds. Er ist dein Mitarbeiter. Er entstand, als du Hilfe brauchtest und war sofort zur Stelle. Er arbeitet für dich und führt die Befehle aus, die du ihm gibst.“
Im Laufe des Gesprächs, in dem ich dem Kobold auch für seine Dienste dankte, verwandelte sich die hässliche Gestalt in einen jungen Hund. Dieser Teil von mir ist loyal und sorgt, wie jede Zelle meines Körpers, für den Erhalt meiner Gesundheit und meines Überlebens.
Mit diesem Bild im Kopf fällt es mir leichter, die Angst zu kontrollieren. Ich bin die Führungskraft, an der sie sich orientiert. Außerdem half mir diese Übung zu verstehen, dass diese Nervosität gegenüber sozialen Kontakten nur ein Teil von mir ist, den ich verändern kann. Sie ist kein Teil meiner wahren Persönlichkeit, sondern bloß eine Abwehrtechnik, ein Schutzmechanismus.
Nun betrachte ich den jungen Hund, den ich in die Ecke des Raumes geschickt habe. Er ist zufrieden, weil ich endlich wieder das Steuer übernommen habe. Er kann sich entspannen.
Was denkst du?