Hochwasser

Ich habe die Enns noch nie so wütend gesehen. Ihr wird scheinbar alles zu viel.

Unbeholfen schwillt sie an, jeden Tag weiter. Dabei nimmt sie alles mit: Straßen, Gehwege, schwache Bäume, Müll.

Fast zwei Meter Wasserpegel hat der reißende Fluss hinzubekommen. Wird der Regen jemals aufhören?

Ich beschließe, spazieren zu gehen. Meine zu große Regenjacke hat keine Kapuze, aber meine Oma hat mir gelehrt, dass ich nicht aus Zucker bin. Darum akzeptiere ich die Kälte des herbstlichen Wassers aus dem Himmel.

Vereinzelt stehen die Menschen am verschobenen Ufer und betrachten das erdbraune Biest. Überall ragen die Verkehrsschilder aus dem Wasser und rufen nach Hilfe. Bäume werden im Strom auf einen 45 Grad Winkel gezwungen und ganze Baumstämme fließen mit.

Letzte Woche noch hatte es hier über 30 Grad. Die Eichhörnchen hüpften, die Schmetterlinge flogen, die Mücken stachen und die Katzen schlichen. Heute ist niemand zu sehen. Nur Wasser über Wasser über Wasser.

Und natürlich meine neugierigen Mitmenschen und ich. Doch auch mir ist die Untergangs-Stimmung zu viel. Ich gehe zurück in meine warme Wohnung und beobachte das Spektakel durch mein schützendes Fenster.

Was aus den Eichhörnchen wurde, weiß ich leider nicht.

Was denkst du?

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑