Stinkewarze

Ein Alptraum begleitet mich aus dem Koma-ähnlichen Zustand in die morgendlichen Stunden, in denen ich meine Augen öffne.

Noch taumelnd schüttle ich die dunklen Bilder ab und die Decke aus. Etwas Seltsames fällt zwischen dem Stoff auf die Matraze.

Kleine, braune Stücken liegen als Kontrast gegen das Weiß des Spannleintuchs. Ich sehe genauer hin. Ein Paar hellbraune Flügel, einige dünne Beine, und – der zerfetzte Körper eines Käfers.

Mir schauderts. Angewidert probiere ich die Überreste der Stinkewarze vom Bett zu wischen. Sie sind schon trocken und fliegen wie ein Herbstblatt durch die Luft.

Ich kenne den Käfer. Beim Lüften besucht er mich gerne. Er weiß aber nie, wann es Zeit ist, wieder aufzubrechen.

Auch dieses Exemplar hatte wohl meine Gastfreundschaft zu lange ausgenutzt. War er eines natürlichen Todes gestorben? Wurde er durch meine nächtlichen Bewegungen zerdrückt?

Ich habe Mitleid mit dem Käfer. Jedes Insekt hat einen Tod in der Natur verdient. Selbst meine Gottesanbeterinnen habe ich den Garten gesetzt, als ihre Zeit kam.

Ich rieche an der Matraze, wo zuvor der zerstückelte Käfer lag. Er muss von selbst den Körper verlassen haben, bevor er in alle seine Einzelteile zerfiel. Stinkewarzen stinken, wenn sie sich bedroht fühlen.

Den Inhalt des Alptraums habe ich schon längst vergessen, als ich den Käfer mit dem Staubsauger verschwinden lasse.

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