Klimakleber: Missverstandene Helden oder lästige Gutmenschen?

Wer hat noch nicht von ihnen gehört: die „Klimakleber“. Eine Gruppe Menschen, die sich die „Letzte Generation“ nennt und sich dem Klimawandel als menschliche Straßenblockaden entgegenstellt.

Die Aktivisten möchten mit ihren Aktionen Aufmerksamkeit erregen. Ihr Ziel ist es, die Politik zu konkreten Schritten zum Umweltschutz zu bewegen. Sie haben die leeren Versprechen der Politiker satt und werden nun selbst aktiv. Leider geht der Schuss eher nach hinten los. Was machen sie falsch?

Ineffiziente Demonstrationen

Letztes Jahr saß ich in einem Bus in London. Dieser musste zur nächsten Haltestelle über eine Brücke. Leider war die Brücke gesperrt – Protestierende saßen auf der Straße und blockierten den Weg. Der Bus musste im Schneckentempo bis zur nächsten Brücke kriechen.

Das Ergebnis: Über eine Stunde Verspätung. Eine Stunde lang lief der Motor des Busses und die Motoren hunderter anderer Fahrzeuge, die von A nach B wollten. Niemand wusste genau, gegen was die lebenden Straßenblockaden eigentlich protestierten.

Erst Wochen später las ich zufällig auf Instagram einen ihrer Posts und erfuhr von ihrem Ziel, den Klimawandel zu stoppen. Das Ganze kam mir ziemlich kontraproduktiv vor.

Sie sagen, sie kämpfen für das Gemeinwohl, blockieren aber Straßen und sind somit ein Hindernis für die Gemeinschaft. Ich habe von einem Fall gelesen, wo ein Mann starb, weil der Rettungswagen im von den Demonstrationen verursachten Stau steckenblieb.

Da frage ich mich auch, wie sinnvoll diese Aktionen wirklich sind? Waren die Auswirkungen nicht eher mehr Umweltverschmutzung, Stress für hunderte Menschen und geschürter Hass auf Aktivisten? Welcher Politiker hat auf den Protest reagiert und was ist danach geschehen? Meines Wissens nach wenig.

Das Herz an der richtigen Stelle

Grundsätzlich schätze ich Menschen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Ich verstehe, dass diese Menschen einfach vom Problem überwältigt sind.

Versetzen wir uns kurz mal in die Lage der vermeintlichen Aktivisten:

Du siehst, dass es dem Planeten nicht gut geht. Du erkennst, dass der Mensch mit seinen Lebensweisen dieses Problem verursacht hat. Du weißt, dass so ziemlich jeder Mensch Teil dieses Systems ist und es nährt. Du fühlst dich hilflos, weil es auch für dich nicht wirklich einen Ausweg gibt.

Du beschließt, dass das System sich ändern muss. Die Politiker und andere mächtige Menschen möchten es aber zu ihrem eigenen Vorteil Aufrecht erhalten. Sie hatten in der Vergangenheit Erfolg. Du fragst dich, was du machen kannst.

Traditionelle Demonstrationen, Petitionen und freie Rede sind die Möglichkeiten, die dir das System gibt. Du hast aber gesehen, dass sie zu nichts führen und zu langsam sind. Du weißt um die Dringlichkeit des Problems. Nur deine eigene Lebensweise zu ändern ist zu wenig, denkst du.

In der Vergangenheit haben sich Menschen an Bäume gekettet, um sie vor der Abholzung zu schützen. Sie hatten Erfolg und du versucht es auch. Du siehst es als einzige Chance zur Veränderung. Deine Wut über die Untätigkeit der anderen und dein Mut zur Veränderung sind Motivation genug und halten aller Kritik stand. Deine Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit treiben dich auf die Straße.

Fokussierst du dich auf Krieg, erschaffst du Krieg.

Fokussierst du dich auf Frieden, erschaffst du Frieden.

Geld, Geld, immer wieder Geld

Wenn das Problem mit der exzessiven Wirtschaft, unbremsbaren Konsumverhalten und einem fehlerhaften Geldsystem begonnen hat, dann muss man dort auch mit einer Lösung beginnen.

Achte genau darauf, in welche Hände deine ausgegebenen Euros gehen und was diese Hände damit machen. Darin liegt deine größte Macht. In einer freien Marktwirtschaft herrschen Angebot und Nachfrage. Unternehmen verkaufen, was die Leute kaufen. Es ist so einfach und trotzdem so komplex.

Wenn China für ein Drittel der von Menschen ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich ist, dann darf man einfach keine chinesischen Produkte mehr kaufen. Braucht der Fleischkonsum enorm viel Ressourcen, muss man einfach wenig Fleisch essen bzw. genau darauf achten, wo es herkommt. Ist Plastik nach dem Gebrauch jahrzehntelang eine Belastung für die Natur, muss man auf Plastikprodukte verzichten. Dir fallen hier bestimmt selbst tausende Beispiele ein.

Das wahre Problem

Ich bin natürlich nicht naiv. Mir ist klar, dass die Politik die Karten austeilt. Ohne die bestehenden Regeln und Gesetze würde eine derartige Ausbeutung des Planten und Verschmutzung der Umwelt gar nicht erst möglich sein. Wie du deine Hand spielst, ist aber einzig und alleine deine Entscheidung.

Wenn der Staat überwachen kann, ob der Balkon eines Wohnhauses um zwei Zentimeter zu weit auf den Gehsteig ragt, dann kann er auch die Umweltverschmutzung der Unternehmen überprüfen und einschränken.

Das System funktioniert nur, weil jeder mitmacht. Früher wurde einfach der Monarch gehängt oder ein Krieg geführt. Heutzutage muss man das Ganze anders angehen.

Effiziente Rebellion

Ich überlegte, welche Handlungen im Gegenzug zu den Klimaklebern wirklich sinnvoll wären. Was kann ich machen, um die Umwelt effizient zu schützen, ohne andere Menschen dabei zu belästigen? Fakt ist, dass man andere Menschen nicht verändern kann. Man kann sie beeinflussen, aber niemals kontrollieren. Sie machen, was sie für richtig halten.

Ich habe von einem Ehepaar gelesen, dass ein großes Grundstück kaufte und die abgeholzte Fläche wieder bewaldete. Ich verstehe, das nicht jeder die finanziellen Mittel dafür hat, aber hier fängt es an: Verbündete suchen, Organisation gründen, Spenden eintreiben, Bäume pflanzen.

Anstatt stundenlang auf der Straße zu sitzen, kann man sich einen Müllsack schnappen und in Wiesen und Wäldern auf Müllsuche gehen. Das würde die Flora und Fauna zumindest in einem kleinen Bereich schützen.

Verbreite deine Taten im Internet oder in deiner Community. Informiere, ohne zu beschämen. Organisiere. Deine Aktionen inspirieren bestimmt andere Menschen und schon befreist du gleichzeitig mit hunderten anderen Menschen die Natur von störendem Müll.

Informiere andere über das Geschehen und teile, was dir wichtig ist. Verbreite Wissen und vor allem Liebe. Habe Verständnis für die, die die Dringlichkeit des Problems nicht so sehen wie du.

Geh einen Schritt weiter. Gründe ein nachhaltiges Unternehmen mit nachhaltigen Produkten und unterstütze die, die es bereits machen. Kauf nachhaltig und regional ein.

Spende Geld an relevante Organisationen.

Hilf freiwillig einmal im Monat.

Was auch immer du tust: tue etwas Gutes. Es gibt keine „zu kleinen“ Handlungen. Jede Veränderung in die richtige Richtung ist wertvoll.

Anstatt Aufmerksamkeit zu jedem Preis auf sich zu ziehen und nur mehr Hass zu schüren, sollte man auf geplante, effektive Handlungen setzen. Wahre Veränderung beginnt mit einem selbst, im Inneren, immer.

Was kannst du heute tun, um die Umwelt zu schützen?

Was denkst du?

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